Auf den Magen geschlagen-Magengeschwüre bei Pferden

Die erschreckenden Statistiken – 90% aller Rennpferde, nahezu 60% aller Turnierreitpferde und 30% aller Freizeitpferde in leichter Arbeit leiden an Magengeschwüren!

We love Pferde_ Magengeschwuer

Es ist wenig bekannt und wird zu oft unterschätzt, doch Fakt ist, unentdeckte, schon chronische Magenentzündungen (Gastritis) und Magengeschwüre (Equine Gastric Ulcer Syndrome (EGUS)) kommen bei Pferde sehr häufig vor. Hin und wieder beschäftigt sich das ein oder andere Pferdemagazin eher nebenbei mit diesem Thema, aber wirkliche Hinweise zu Hintergründen, Symptomen, Ursachen und Vorsorge-Tipps bleiben dabei zumeist unerwähnt. Wir möchten euch eine kleine Liste sorgfältig ausgewählter Fakten zur Verfügung stellen. Und möchten darüber hinaus dringlichst darauf hinweisen, dass bei einem Verdacht ein erfahrener Tierarzt zu Rate gezogen werden sollte.

Die Statistiken aus der iWest-Puplikation: „Magengeschwüre beim Pferd erkennen und verhindern“ (2010), der Pferde Woche: „Magengeschwüre bei Pferden“ (2012) und dem VDD-aktuell-Beitrag „Magengeschwüre beim Pferd: Ein in der Praxis oft unerkannt bleibendes Phänomen!“ (ohne Datum) von Dr. Gerd Stiens sind zusammen genommen erschreckend. Nach diesen Publikationen leidet fast jedes Pferd mehrfach in seinem Leben unter Magengeschwüren und niemand bemerkt es.

So ist die Häufigkeit der Magengeschwüre von der Haltung und dem Stress des Pferdes abhängig und so leiten sich die weltweiten Statistiken ab: 90% aller Rennpferde (90% aller Vollblutrennpferde, 60%-80% aller Trabrennpferde), circa 60% aller Sportpferde (Turnierpferde), 30% aller Freizeitpferde in leichter Arbeit und weniger als 10% aller Weidepferde.

We love Pferde_MagengeschwuerBis vor einem Jahrzehnt fanden Magengeschwüre bei Pferden nie Erwähnung. Der Grund ist ganz simpel. Selbst wenn man den Verdacht hatte, konnte man sie nicht diagnostizieren, weil es keine Endoskope gab, die lang genug waren einen Pferdemagen zu untersuchen und als Maßanfertigung viel zu teuer herzustellen waren, für ein bloße Vermutung. Seit ca. 15 Jahren wurde die Gastroskopie bei Pferden vorangetrieben und hat sich bis heute zu einer gängigen Untersuchungsmethode etabliert.

Was passiert im Pferdemagen?

Pferde sind von ihrer Natur her Dauerfresser, die täglich 16 – 18 Stunden mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt sind und die lieber komplett stressfrei leben.  Da diese Grundbedürfnisse des Pferdes bei unseren heutigen domestizierten Pferde keinesfalls mehr gegeben sind, verändert sich einiges. Gefressen wird, was in den Trog kommt – Rauhfutter gibt es auf Zuteilung, statt wichtiger faserreicher Nahrung gibt es mehrmals täglich konzentriertes Getreidefutter. Und vom negativen Stress bei Boxenhaltung, auf dem Paddock mit Pferden, die sich untereinander nicht grün sind, bei der Trennung von Freunden oder beim zu langen, pausenlosen Reiten, ganz zu schweigen. Auf den Magen schlagen alle diese Faktoren.

Nach Expertenmeinung bilden Pferde innerhalb eines Tages zwischen 5 und 10 Liter Magensaft pro 100 Kilogramm Körpergewicht, um Keime und Krankheitserreger in der Nahrung abzutöten. Das sind bei einem durchschnittlichen Warmblut von 600 Kilogramm zwischen 30 und 60 Liter Magensaft, der zum größten Teil aus Salzsäure besteht. Der Pferdespeichel enthält Bikarbonat, eine Lauge, die die Säure geringfügig neutralisiert. Das bedeutet, das Pferd muss viel fressen, um Speichel zu produzieren, um die Magensäure abzupuffern. Wenn es nicht rund um die Uhr Rauhfutter zu sich nehmen kann, greift die Säure die Magenwände und die Schleimhäute an. Es genügen schon je nach Empfindlichkeit 1 – 5 Stunden, das ist die Zeit, die die Magenpassage dauert. Somit fangen die ersten negativen Grundlagen für Magengeschwüre schon bei zu langen Fresspausen an.  Dazu kommt, dass Pferde beim Fressen von Getreidefutter viel weniger neutralisierenden Speichel produzieren, darüber hinaus kommt es durch den hohen Stärke- und Melassegehalt zu einer vermehrten Säurebildung und wirkt zudem kontraproduktiv auf den Verdauungsakt, deshalb sollte immer erst das Rauhfutter und dann das Getreidefutter gegeben werden. Zusammen mit einer schlechten psychischen Verfassung des Pferdes, ist der Nährboden für Magengeschwüre mehr als gegeben. Stress erhöht bei Pferden die Produktion von Magensäure, vermindert die Schleimhautdurchblutung und setzt die Aktivität der Verdauungsorgane herab.

Symptome:

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  • Gewichtsverlust
  • Aufgedunsener Bauch (Strohbauch)
  • Leichte Koliken
  • Stumpfes Fell
  • Plötzliche Veränderung der Haarfarbe
  • Vermehrtes Gähnen
  • Trägheit
  • Absinken des Leistungsniveaus
  • Leerkauen
  • Zähneknirschen
  • Anschein nach Depression
  • Absondern von Artgenossen
  • Extreme Triebigkeit
  • Zögerliches Bergabgehen
  • Erschwertes Hinlegen
  • Extrem hohe oder niedrige Wasseraufnahme
  • Ablecken von Metallgegenständen

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Hauptursache:

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  • Falsche Fütterung
  • Zu langes oder intensives Training
  • Nicht artgerechte Haltung
  • Stress
  • Krankheiten

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Psychische Ursachen:

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  • Stress (Stress durch Artgenossen mit denen sie gezwungenermaßen zusammen leben müssen; Transporte; Turniersport; ständiges Bedecken oder Besamen; unpassende Ausrüsting, die schmerzt; zu langes, pausenloses Trainieren)
  • Traurigkeit
  • Überforderung
  • Unwohlfühlen
  • Missverstanden werden
  • Fehlende Zuwendung
  • Einzelhaltung

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Physische Ursachen:

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  • Überdruck von Magensäure
  • Zahnerkrankungen
  • Kaubeschwerden
  • Luftschlucker (Kopper)
  • Heißes Futter
  • Gefrohrenes Futter
  • Mechanische Schädigung der Schleimhäute durch (z.B. verholztes Heu)
  • Fütterung von Gerste (glasharte Schale, schlechte Verdaulichkeit der Stärke)
  • Magenparasiten

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Chemische Ursachen:

Aufnahme von: [unordered_list style=“red-x“]

  • Kunstdünger
  • Pflanzenschutzmittel
  • Schädlingbekämpfungsmittel
  • Fehlgegorener Silage
  • Überdosierten Medikamenten
  • Überdosierung von Futterzusatzstoffen
  • Überdosierung von Mineralstoffgemischen
  • Gerbsäure (z.B. aus Bucheckern und Eicheln)

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Tipps für eine gute Vorsorge:

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  • Pferde sind Dauerfresser (täglich 16-18 Stunden), vermeiden Sie Fresspausen von mehr als 4 Stunden
  • Pferde fressen nachts am meisten, also großzügig Heu geben oder Heunetze anbringen
  • Erst Heu, dann Kraftfutter
  • Vermeiden Sie starke Melassierung und schwer abbaubares Getreide
  • Kraftfuttermengen beachten (400g Hafer je 100 kg Pferd, 250g Mais je 100 kg Pferd)
  • Mash nicht zu heiß geben
  • Keine gefrohrenen Futtermittel
  • Keine übersäuerte oder fehlgegorene Silage
  • Dafür sorgen, dass das Pferd langsam und in Ruhe fressen kann
  • Ruhezeiten nach dem Füttern beachten (ca. 2 Stunden)
  • Keine abrupten Futterwechsel
  • Lecksteine, Tröge und Tränken täglich sauber halten!

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