Wieviel kostet ein Pferd ?

Wieviel kostet ein Pferd? 

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Mein Lieblingswitz: „Wie macht man mit einem Pferd ein kleines Vermögen?“ Die Antwort ist: „Man nehme ein großes Vermögen und kaufe sich ein Pferd!“.

Jetzt mal Spaß bei Seite, an Reiter oder Pferdebesitzer werden oft immer wieder die gleichen Fragen gestellt, die Beliebteste ist: Wieviel kostet ein Pferd im Monat? Um hier ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen haben wir Kosten aus verschiedenen Reit- und Sportställen zusammengetragen und Euch die Mittelwerte aufgelistet. Eine Pensionspreiskalkulation* eines durchschnittlichen Musterbetriebs mit pferdgerechten, sauberen Tageslicht-Boxen, gepflegten Reitplätzen, Weiden und einer Reithalle, guter
Beratung, Sauberkeit und netter Atmosphäre. Salopp gesagt: keine Klitsche und auch kein Upperclass-Betrieb. Hufeisen_Fotor

Reithallenbenutzung:       20 Euro

Reitplatz:                                10 Euro

Stallplatz:                                50 Euro

Futter:                                      60 Euro

Einstreu:                                 20 Euro

Misten:                                  100 Euro

Füttern:                                   30 Euro

Anlagenpflege:                     20 Euro

Weidegang org.:                  50 Euro

Strom/Wasser:                    10 Euro

Also, wieviel kostet ein Pferd nun circa pro Monat ?

Wir kommen auf rund 370 Euro.

Warum so teuer? Weil Personalkosten mehr als die Hälfte des Pensionspreises ausmachen.

Wer monatlich so einen hohen Preis bezahlt, der darf selbstverständlich professionellen Service von gut ausgebildeten und fair entlohnten Mitarbeitern erwarten. Zudem reitet er in einer gepflegten Halle und auf einem pfützenfreien Reitplatz. Die Pferde fressen einwandfreies Futter und werden vom Personal auf gepflegte, sichere Weiden mit Wasser und Heu gebracht.

Dazu wird der Hof durch ein vorbildliches Stallklima bereichert, der Betrieb hat außerdem saubere Toiletten, ein heizbares Reiterstübchen oder beheizte Sattelkammer und im Notfall professionelle Zusatzleistungen.
Diese müssen zusätzlich beim Stallbesitzer bezahlt werden. Origami-Pferdjpg

Unsere Pferde sind unsere Lieblinge und damit es ihnen an nichts fehlen muss, haben wir Sonderwünsche, die der  Pensionsstallbetreiber meist nicht selbstverständlich anbietet und sich für die Realisierung dieser Extrawünsche auch gut entlohnen lässt.

„Mein Pferd muss eigedeckt werden. Ss braucht spezielle Gamaschen für die Koppel, bitte Hufe auskratzen, bitte aufhalten, wenn der Schmied kommt, eine Salbe hier und drei Pülverchen da.“

Dafür gibt es nur zwei Lösungen: entweder zahlen oder alles selbst machen!

Das Reitsportmagazin Cavallo hat mit seinen Auflistungen Serviceleistungen einen Durchschnittswert dafür errechnet, was der Service ums Pferd durchschnittlich kosten darf. Hier ist die Rechnung, was zusätzliche Leistungen kosten und warum Sparfüchse ihren Pferden am Ende schaden.

Das gilt z.B. für:

-tägliches Eindecken kostet 30 Euro im Monat,

-einmalige dreistündige Kolikbetreuung 60 Euro,

-Scheren 15 Euro,

-Hufe aufhalten beim Schmied 10 Euro,

-vierstündige Stutenschauvorstellung 80 Euro,

-Wurmkur geben 3,50 Euro,

-Pilzbehandlung (ohne Medikament) 20 Euro.

Und wenn wir mal knapp dran sind zur Reitstunde, dann macht uns die professionell arbeitende Pferdewirtin auch mal fix das Pferd fertig. „Dafür bekommt ihr Chef 3,30 Euro. Warum ihr Chef? Weil alles andere Schwarzarbeit wäre“, so Cavallo.

*Es wurden Durchschnittswerte angenommen, die von Betrieb zu Betrieb veriieren können.

Curly Horse

Von Pferdeleuten liebevoll „Lockenpony“ genannt, ist das American Bashkir Curly Horse, kurz Curly Horse, wohl wahrscheinlich die einzige Rasse, die für pferdeaffine Allergiker tauglich ist.

Foto (c) petsency.com

Pferde der nordamerikanische Pferderasse Curly Horse haben durchschnittlich ein Stockmaß von 1,40-1,65 m und besitzen das für sie charakteristische gelockte Lang- und Deckhaar, das in allen Farben auftreten kann.

 

Wie erkennt man ein Curly Horse?

Ihr Sommerfell ist leicht gewellt bis glatt, ihr Winterfell ist lang und gelockt. Mähne und Schweif sind gewellt, ihre Augenform ist oft mandelförmig-geschlitzt und die Hufe zeigen sich fast kreisrund und oft sehr robust und hart. Mitunter gibt es vereinzelt auch glatthaarige Curlys, diese werden Straight Curlys genannt, haben aber bis auf die Locken, die selben Beschaffenheiten wie das gemeine Curly Horse.

 

Wo kommen die Curly Horses her?

Die tatsächliche Herkunft der American Bashkir Curly Horses ist nicht ganz bewiesen und beruht lediglich auf Vermutungen. In verschiedenen Regionen der Erde sind Abbildungen und Beschreibungen einer gelockten Pferderasse gefunden worden. Inzwischen sei es wohl nachgewiesen, dass die Curlys nicht mit den ebenfalls gelockten russischen Steppenpferden, den Baschkiren, verwand sind.

Foto von 1906 (c) curlyhorsecountry.com

 

Eine mögliche Herkunftsgeschichte:

Heute ist man der Meinung, dass Sioux- und Crow- Indianerstämme um die Wende vom 18. zum 19. Jhd.  Vereinzelt gelockte Reitpferde besaßen. So entdeckte der Farmer Peter Dameles 1898 eine Wildpferdeherde mit gelockter Jacke und fing sie ein. Die Farmerfamilie kreuzte nun ihre eigenen Pferde, unter anderem Araber- und Morganhengste mit den robusten Wildpferden. Schnell bemerkten sie, dass sich das gelockte Fell, das Robuste und der freundliche Charakter sehr dominant weiter vererbten, so dass sie zukünftig auch von den Farmnachbarn in der Zucht eingesetzt wurden. Bereits Anfang des 20. Jhd. gab es aufgrund der Nichtbeachtung einer Reinzucht viele verschiedene Fassetten des gelockten Pferde-Typs.

 

Warum gelten sie heute als Allergikerpferde?

Curly Horses besitzen eine andere Hautbeschaffenheit als das „normale“ Pferd. Sie haben eine andere Fellstruktur, andere Schuppen und andere Fellöle. Deshalb riechen sie auch anders. Man beschreibt ihren Duft nach Lammwolle. Pferdeallergiker reagieren auf diese andersartige Beschaffenheit des Fellkleides gemeinhin nicht allergisch.

 

Wo werden Curly Horses heute eingesetzt?

Curly Horses haben einen sehr freundlichen Charakter und sind dementsprechend sehr vielseitig als Freizeit-, Familien- und Sportpferde einsetzbar. Natürlich gibt es auch Curly Horses als Ponys im Kleinformat.

Das ursprüngliche, von den Mustangs abstammende, Curly Horse wird sehr gern als Westernpferd ausgebildet. Sie werden im Western Riding, Trail, Pleasure und Horsmanship wie auch zur Arbeit mit Rindern eingesetzt.

Die mit Voll- und Sportblut eingezüchteten Curlys werden als klassische Sportpferde ausgebildet und sind als Spring-, Dressur- und Fahrpferde erfolgreich.

In Europa besonders selten sind die Curly Gangpferde. Sie wurden über Generationen mit Missouri Foxtrottern gekreuzt, um eine Rasse zu kreieren, die über Ausdauer auf langen Strecken verfügt und mit dem Foxtrott-Gang für den Rücken des Reiters über längere Ausritte hinweg angenehm und weich ist.

 

 

Trakehner

Die Pferderasse der Trakehner steht noch heute für edle, kaftvolle Pferde, großes Interesse, verklärte Nostalgie und ein wenig historischen Wehmut.

Aus diesem Grund organisierte das Ostpreußische Landesmuseum 2007 sogar eine Sonderausstellung zur Huldigung der Ära einer Pferderasse mit dem Namen „275 Jahre Trakehnen – Mythos im Zeichen der Elchschaufel“.

 

Der Name dieser Zuchtlinie leitet sich vom Ortnamen „Trakehnen“ im ehemaligen Ostpreußen ab. Ihre Anfänge rekonstruierte man bis ins 13. Jahrhundert, wo man begann aus Arbeitspferden Militärpferde zu züchten. Auf dieser Grundlage gründete König Friedrich Wilhelm von Preußen 1732 in Ostpreußen das erste Trakehner-Gestüt, das „königliche Trakehner Stutamt“.

Modell des Trakehner Landstallmeisterhauses
Modell des Trakehner Landstallmeisterhauses

Mehr als 50 Jahre später erhielt die königliche Zuchtlinie eine einzelne Siebenendige Elchschaufel als Brandzeichen. Zu dieser Zeit war die offizielle und korrekte Bezeichnung der Pferde von ihrem Geburtsort abhängig. Nur die im Hauptgestüt Trakehnen geborenen Pferde durften als Trakehner bezeichnet werden. Waren Pferde der selben Rasse an einem anderen Ort geboren, durften diese nur als Ostpreußische Warmblüter Trakehner Abstammung benannt werden. So entstand die umgangssprachliche Bezeichnung Ostpreuße. Ihr Brandzeichen war die doppelte Elchschaufel. Dieses Brandzeichen ist bis heute so überliefert, weil es seit 1944 keine Zucht mehr in Trakehnen gibt und somit auch keine „echten“ Trakehner.

Trakhener-Elchschaufel

Ursprünglich als Militärpferde, dann als edle, elegante wie auch ausdauernde Kutschpferde gezüchtet, sollten die Trakehner am Ende des 18. Jahrhunderts wieder Militärpferde werden, wo sie erstmals durch Leistungstests und Stammbäume genauestens dokumentiert wurden. Im 19. Jahrhundert durften dann zur Veredlung englische Vollblüter und Araber eingesetzt werden. Der Trakehner hatte nun einen etwa 50 %igen Blutanteil.

Ganges x, Rappe, geb. Trakehner 1845 von Burgsdorf xx und der Galathée von Tigranes x, Hauptbeschäler Trakehnen 1849-1858
Ganges x, Rappe, geb. Trakehner 1845 von Burgsdorf xx und der Galathée von Tigranes x, Hauptbeschäler Trakehnen 1849-1858

Es folgte der große Zusammenbruch der ostpreußischen Zucht mit Kriegsende 1945. In den Kriegswirren musste wegen der Besatzungen versucht werden, alle Pferdebestände durch fluchtartige Evakuierungen zu retten. Leider konnten nur 575 Stuten und 45 Hengste aus Privatzuchten mit den Flüchtlingtrecks evakuiert werden. Der kleinere Teil des Bestands des Hauptgestüts konnte in die zwei preußischen Hauptgestüte Neustadt/Dosse und Graditz wie auch im Norden nach Perlin gerettet werden. Der Großteil dieser Pferde kam als Reparationszahlung in die Sowjetunion.

In den östlichen Teilen Deutschlands konnte die ursprüngliche Qualität der Trakehner Pferde wieder erreicht werden und wurde nach dem Krieg zur Veredlung aller deutschen Warmblutzuchten eingesetzt.

Trakehner_Blog_Collage

So hat die Trakehner Zuchtlinie bis heute einen sehr bedeutenden Teil dazu beigetragen den modernen, ausdauernden und charakterstarken Typ unseres Deutschen Reitpferdes im internationalen Turniersport zu etablieren.

 

Bildnachweis:

Titelbild by Nicole Kumpf – www.nicole-kumpf.de

Modell des Trakehner Landstallmeisterhaus by Ostpreussisches Landesmuseum

Historisches Gemälde by „Der Trakehner im Auge des Künstlers“, Jubiläumsausstellung 2007