Thiedemannzügel (auch Köhlerzügel genannt)

Überholtes Relikt aus vergangenen Tagen oder wiederzuentdeckender Schatz?

 

Fritz Thiedemann mit Retina (1959)

Fritz Thiedemann mit Retina (1959)

Der Thiedemannzügel hat seinen Namen von einem der erfolgreichsten Springreiter und Olympiasieger der 1950er Jahre, Fritz Thiedemann (1918-2000). Dieser Hilfszügel zum Reiten und Ausbilden von Pferden blickt auf eine nunmehr lange Tradition zurück, aber ist heute leider ein wenig in Vergessenheit geraten.

Im Folgenden möchte ich versuchen diesen Hilfszügel vom Staub der letzten Jahre zu befreien und zu zeigen, warum uns ein wirklich gutes Hilfsmittel verloren gehen würde.

 

Wann hilft der Thiedemannzügel?

(1) Bei Pferden, die sich der Anlehnung und den Hilfen des Reiters durch das Hochreißen des Kopfes  entziehen.

(2) Beim Ausbilden von Pferden mit unsteter Anlehnung.

(3) Bei Pferden, die im Gelände zu heftig werden.

(4) Zur Ausbildung von jungen Pferden (möglichst lang verschnallt), die damit lernen sollen.

 

Aus welchen Einzelteilen besteht ein Thiedemannzügel?

Der Thiedemannzügel besteht aus 2 Komponenten – aus einem Trensenzügel mit 3-4 außen angebrachten Ösen und einem Halsriemen mit Bauchschlaufe, ähnlich dem Martingal, jedoch ohne Ringe und viel länger.

 

Thiedemannzuegel 2_Fotor

Wie wird er richtig verschnallt?

Die Zügel werden zuerst mit den Ösen nach außen an die Gebissringe geschnallt. Die Trense wird wie gewohnt angelegt und verschnallt. Als nächstes wird der Halsriemen wie beim Martingal angelegt und die Bauchschlaufe mit dem Sattelgurt befestigt. Danach werden die langen Lederriemen von innen nach außen durch die Gebissringe in die Ösen der Zügel eingehakt. Man sollte darauf achten, dass die Riemen auf beiden Seiten gleich und möglichst lang verschnallt werden. Bei normaler Zügelführung bzw. Anlehnung darf das Pferd auf keinen Fall behindert werden.

 

Thiedemannzuegel 1_Fotor

Die Besonderheit des Thiedemannzügels

Der Thiedemannzügel kann als eine Kombination aus Martingal und Schlaufzügel beschrieben werden. Er kommt bei richtiger Verschnallung und Anwendung nur im äußersten Notfall zum Einsatz. Zum Beispiel wenn sich das Pferd der Anlehnung oder den Hilfen des Reiters durch ein Hochreißen des Kopfes entzieht. Beim Vorwärts-abwärtsreiten wird das Pferd ohne Behinderungen und Zwänge geführt; der Hilfszügel kommt nicht zum Einsatz.

 

Wie wirkt er?

Beim Hochreißen des Pferdekopfes spannen sich die Bauchschlaufe und die mit ihr verbundenen Riemen, die über die Gebissringe in die Ösen des Zügels eingehakt sind. In diesem Moment wirkt der Thiedemannzügel wie ein Schlaufzügel.

 

!Achtung!

[unordered_list style=”red-x”]
  • Der Hilfszügel sollte von erfahrenen Reitern eingesetzt werden!
  • Das Pferd darf bei normaler Anlehnung NICHT gestört werden!
  • Der Thiedemannzügel ist wie alle anderen starren Hilfzügel NICHT zum Springen geeignet!
[/unordered_list] [unordered_list style=”tick”]
  • Die nachgebende Hilfe muss deutlich stärker sein, weil der Zügel durch die Riemen den doppelten Weg zurücklegen muss!
[/unordered_list]