Vorwärts-abwärts oder Dehnungshaltung – für was das alles?

„Ein Pferd in Dehnungshaltung zu reiten, ist eine sichere Methode nachzuprüfen, ob Anlehnung und Rückentätigkeit korrekt sind. Das sollte jederzeit während einer Arbeitsphase abrufbar sein.“ (Carsten Peeters, Dressurreiter bis zur Klasse S in: Rheinlands Reiter und Pferd, 15.10.2011 )

We_love_Pferde_Vorwärts-abwaertsDieses Thema ist nicht neu, aber wir tun gut daran es doch hin und wieder aufzufrischen. In diesem Artikel sollen die unsichtbaren Hintergründe in Verbindung mit der Hilfengebung des Reiters aufgezeigt werden. Anschließend werden die meist verbreitetsten Fehler analysiert und jeweils ein Lösungsansatz angeboten.

Warum helfen wir dem Pferd mit Dehnungsübungen?

Von den basalen Grundlagen her hat das Pferd ein hohes Eigengewicht, das bei einer Fehlhaltung oder Fehlbelastung beim Reiten gravierende Folgen für die Pferdeknochen und Gelenke haben kann.

Beim Reiten wirken dazu zumeist noch Gewicht und Bewegungen des Reiters auf den Bewegungsapparat des Pferdes ein, welche anders als zumeist angenommen nicht von der Rückenmuskulatur getragen werden.

Der lange Rückenmuskel ist von Natur aus nicht für irgendeine Art von Dauerspannung geschaffen, sondern lediglich dafür sich im stetigem Wechsel zu dehnen und wieder zusammenzuziehen. Er wird zur Fortbewegung benötigt und agiert als Verbindung zwischen Vorder- und Hinterhand.

We love Pferde_Vorwaerts-abwaerts

Aus diesen Gründen muss der Reiter sein Pferd beim Reiten in eine Haltung bringen, in der der Pferderücken ungestört arbeiten kann. In dieser Haltung muss der Rücken des Pferdes aufgewölbt sein, um dem Reitergewicht entgegenzuwirken und gleichzeitig die Muskulatur zu stärken. Um zu einer Aufwölbung des Rückens zu gelangen, wird das Pferd dazu motiviert sein Becken etwas nach hinten zu kippen, dabei tritt es automatisch weiter unter, hält sich besser in Balance, fängt an zu Schwingen und erreicht im optimalen Fall eine vertrauensvolle Losgelassenheit. Hier schlagen wir die Brücke zum Vorwärts-abwärts-reiten.

Was ist das Vorwärts-abwärts-reiten?

Das Vorwärts-abwärts-reiten beschreibt eine Dehnungshaltung in der sich das Pferd vertrauensvoll und motiviert an die Reiterhand nach vorn-unten herandehnen sollte. Das Ziel ist es hierbei einen positiven Spannungsbogen vom Schweif zum Genick zu erhalten, während der Reiter das Pferd mit aktiver Hinterhand und losgelassen vor seinen treibenden Hilfen hat. Aufgrund der großen Anstrengung für das Pferd sind kurze Reprisen zu Beginn und zum Ende der Arbeit, die die Beweglichkeit und das Gleichgewicht schulen, zu empfehlen. Am förderlichsten ist hier das Leichttraben auf dem Zirkel wobei man leicht die Zügel aus der weichen Hand kauen lässt.

Die häufigsten Fehler und ihre Lösungsansätze

Beim Vorwärts-abwärts-reiten können verschiedene Schwierigkeiten auftreten. Diese resultieren zumeist aus einer mangelnden Hinterhandaktivität. Die Hauptlösung liegt primär in den treibenden Schenkelhilfen und keinesfalls in einer starken Reiterhand.

We love Pferde_Vorwaerts-Abwaerts_fehler zu tief

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  • Pferd legt sich beim Vorwärts-abwärts-reiten auf das Gebiss.

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  • Das „Auf dem Zügel bzw. Gebiss“ liegen ist ein Symptom mangelnder Hinterhandaktivität und fehlender Losgelassenheit im Rücken. Dazu kommt ein Reiten auf der Vorhand wie die daraus resultierende mangelnde Balance. Aktivieren Sie die Hinterhand!Verbessern Sie die Aufmerksamkeit Ihres Pferdes und die Qualität  Ihre Übungseinheiten durch häufige gezielte Handwechsel, Tempiwechsel und Biegearbeiten.

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We_love_Pferde_Vorwaerts-abwaerts_fehler_abtauchen[unordered_list style=“red-x“]

  • Das Pferd taucht ab bzw. das Pferd zieht Ihnen die Zügel plötzlich nach unten aus der Hand.

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  • Wenn Ihnen das Pferd die Zügel plötzlich aus der Hand zieht ist das in Zeichen fehlender Losgelassenheit in Hals und Rücken. Sie sollten daran arbeiten die Hinterhand zu aktivieren und das Pferd zum vermehrten Untertreten zu motivieren. Des Öfteren ist es auch eine Reaktion auf ein zu langes Reiten in der Dehnungshaltung. Die Muskeln des Pferdes sind durch die große Anstrengung erschöpft. Schaffen Sie kürzere Dehnungseinheiten!

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We love Pferde-Vorwaerts-abwaerts_fehler_eingerollt

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  • Das Pferd rollt sich ein, es steht zu eng am Gebiss. Das heißt, es geht hinter dem Zügel, tritt nicht an den Zügel heran und kommt auf die Vorhand.

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  • Korrigieren Sie Ihre Hand und aktivieren Sie die Hinterhand Ihres Pferdes. Auslöser für ein zu starkes Hinter-die-Senkrechte-kommen kann die Kombination aus fehlender Hinterhandaktivität und zu starker Handeinwirkung des Reiters sein, wobei sich der Bewegungsablauf verlangsamt. Die Lösung ist hier eine weiche, tiefe Reiterhand und treibende Schenkelhilfen, die das Pferd zum aktiven Abfußen motivieren und durch vermehrtes Durchschwingen die Losgelassenheit im Rücken fördern.

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We_love_Pferde_Vorwaerts-abwaerts_LosagelassenheitWie erkennen Sie die Losgelassenheit Ihres Pferdes?

Losgelassenheit heißt „maximale und motivierte Leistung bei minimalem Kraftaufwand und maximalem Schwung“.

 

 

 

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  • schwungvolle, leichtfüßige, aber kraftvolle Bewegungen
  • ein über die ganze Länge schwingender Rücken
  • müheloses, schwungvolles Untertreten
  • das Pferd geht etwas vor den treibenden Hilfen des Reiters
  • das Pferd hat einen entspannten Unterhals
  • das Pferd ist motiviert und auch innerlich losgelassen
  • vermehrtes Abkauen bei geschlossenem Pferdemaul
  • das Pferd trägt seinen Schweif locker und schwingt ihn ggf. mit
  • es schnaubt zufrieden ab

  • es hat einen zufriedenen Gesichtsausdruck

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Welche Anzeichen zeigt die korrekte Dehnungshaltung?

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  • das Pferd tritt motiviert im Takt
  • es zeigt schwungvolle Bewegungen
  • das Pferd ist im Rücken, in seinen Bewegungen und in seinem Geist losgelassen
  • sein Rücken ist aufgewölbt
  • nach vorn-unten gewölbter Hals (idealerweise ist die Nase auf Buggelenkhöhe)
  • Halsansatz angehoben -> siehe der Artikel „Axthieb“
  • entspannter Unterhals
  • entspanntes Genick

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Die Fotos wurden für diesen Artikel nachgestellt.

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