Winterdecken – Sinn oder Unsinn ?

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Es ist wieder so weit – ob karriert, gestreift, lila, türkis oder pink; Fashion-Junkies horten sie in den Modefarben der Saison, anderen reicht etwas eher Zweckmäßiges –  die Deckensaison ist eröffnet! Die Reitsportindustrie hat ihre Hausaufgaben gemacht und bietet auch diesen Winter alles, was der Reiter- Geschmack begehrt.

Viele Reiter beginnen sobald die Tage kürzer werden damit ihre Pferde vor dem Wachstum ihres Winterkleides einzudecken. Sie möchten damit verhindern, dass die Pferde ein dichtes und langes Winterfell bekommen, was das Tocknen des Schweißes nach der täglichen Arbeit behindert. Außerdem haben die meisten Pferdebesitzer Angst davor, dass sich ihr Pferd erkältet oder friert.

Winterdecken und die Frage nach ihrer Notwendigkeit – Sinn oder Unsinn ? Wir haben uns für diesen Artikel mit Veterinärmedizinern und passionierten Reitern unterhalten, um herauszufinden was dran ist an dem Deckenwahn.

„So natürlich wie möglich“ rät Veterinärmediziner Dr. Hartmut Keitel aus Kirchdorf am Inn. Pferde besitzen einen sehr fein strukturierten Mechanismus zur Regulation ihrer Körperwärme, genannt Thermoregulationsmechanismus. Dieser Mechanismus hilft dem Pferdekörper sich an höhere Temperaturschwankungen anzupassen. Wenn Pferde artgerecht gehalten sowie ausreichend und qualitativ hochwertig gefüttert werden, dann funktioniert dieser hervorragend und die Pferde erkälten sich auch nicht, wenn sie eingeschneit sind. Nach Arzeneimittel.de  fühlen sich gesunde und artgerecht gehaltene Pferde allgemein bei -15°C bis ca. 20 °C am wohlsten; ihre Optimaltemperatur liegt dann bei 5°C trockener Kälte. Greift man allerdings in das natürliche Geschehen ein und schert sein Pferd, dann ist eine Decke zum Warmhalten bei niedrigen Temperaturen unbedingt von Nöten, so Keitel.

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Zur Beantwortung der Frage „Soll ich im Winter eindecken oder nicht?“ sollte man sich alle individuellen Gegebenheiten seines Pferdes klar machen. Jeder Besitzer sollte sein Pferd gut beobachten und individuell entscheiden, ob es nötig ist. Hat man ein reines Freizeitpferd, das im Winter weniger geritten wird, dann sollte man auf das Eindecken verzichten, so Dr. Christian Schütte aus Bonn für den Dressur-Studie-Artikel „Gut behütet oder übertrieben verzärtelt? Pferde eindecken?“.

Jeder Pferdebesitzer sollte sich auch selbstkritisch die Frage stellen: „Friert mein Pferd oder ich selbst ? Sollte ich akzeptieren, dass sich mein Pferd wohl fühlt, obwohl ich es als unangenehm kalt empfinde?“.

In einer Aussage sind sich jedenfalls alle Veterinäre und die Uelzener Pferdeversicherung einig: Eingedeckte Pferde werden anfälliger, weil sie ihre Thermoregulation viel weniger trainieren.

Bei welchen Pferden ist das Eindecken notwendig?

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  • Geschorenen Pferden
  • Alten Pferden
  • Kranken Pferden
  • Empfindlichen Pferden
  • Schlecht gefütterten Pferden

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Worauf sollte man unbedingt achten?

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  • Die Decke in der richtigen Größe kaufen, damit sie nicht verrutscht und sich das Pferd nicht verletzten kann.
  • Alle Gurtbänder und Schlaufen so befestigen, dass sich das Pferd beim Legen und Aufstehen nicht verheddern und verletzen kann.
  • Immer wieder die Frage stellen: Ist die Decke den Temperaturen angemessen?

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Fotos by Nicole Kumpf  

5 Antworten auf „Winterdecken – Sinn oder Unsinn ?“

  1. Pferde erfahren ihre Umwelt nicht nur über Augen, Ohren und Nase, sondern auch über das Fell, darum ist eindecken für Pferde wie Isolationshaft. in der Gruppe kommunizieren Pferde mit der Muskulatur des ganzen Körpers, durch zucken oder mit vibrieren einzelner Muskelpartien, durch eindecken wird diese wichtige Kommunikation jedoch unterbunden, darum Isolationshaft. Und wenn es juckt wenn die Haare nachwachsen oder zu heiß wird unter der Decke, zb im Winter in der Mittagssonne, dem ist das Pferd dann hilflos ausgeliefert.

  2. Ich habe einen 20 jährigen chronisch kranken Wallach. Selbst der steht im Winter im offenstall ohne Decke und fühlt sich richtig wohl. Der bekommt so dickes Fell, dass er nur schwitzen würde. Und wenn man sieht, dass auf der Kruppe Schnee liegt ohne zu schmelzen, dann merkt man wie gut das Winterfell isoliert

  3. Ich bin auch kein Freund von panischem Eindecken, ich habe für meine AV-Stute lediglich eine 0 g regendecke, da ich sie schon oft beim zittern erwischt habe, wenn der Regen/Schneeregen mal wieder zugeschlagen hat. Wenns mal richtig heftig kalt wird und sie das zittern wieder anfängt, habe ich eine passende unterdecke mit 100 g, die ich jedoch erst an 3 Tagen gebraucht habe. Wenn ich sehe, das Pferde im Oktober mit einer 200 g Decke in der Box stehen, dann bekomm ich jede Mal einen Herzriss :O

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